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Die Projektleiter: Prof. Dr. Caja Thimm, Professorin für Medienwissenschaft und Intermedialität an der Universität Bonn, und Prof. Dr. Christoph Bieber, Welker-Stiftungsprofessor für Ethik und Politikmanagement an der Universität Duisburg-Essen



Monika Piel, ehemalige WDR-Intendantin und Projektpatin des Forschungsprojekts



Constantin Härthe, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsprojekts und Stipendiat der Stiftung Mercator



Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion









Prof. Dr. Jürgen Kluge, Unternehmensberater, Director emeritus McKinsey & Company, Aufsichtsratsvorsitzender Schmitz Cargobull AG und Projektpate der Studie


Zum Abschluss des Forschungsprojekts „Erregungskampagnen in Politik und Wirtschaft – digitale Öffentlichkeit zwischen Candy- und Shitstorms“ richtete die Bonner Akademie am 25. November 2014 eine Diskussionsveranstaltung mit dem Titel „Den Shitstorm gibt es nicht – Digitale Empörung in Wirtschaft und Politik“ aus.

Nach einer kurzen Begrüßung der beiden Projektleiter Prof. Dr. Caja Thimm, Professorin für Medienwissenschaft und Intermedialität an der Universität Bonn, und Prof. Dr. Christoph Bieber, Welker-Stiftungsprofessor für Ethik und Politikmanagement an der Universität Duisburg-Essen, folgten die Grußworte der ehemaligen WDR-Intendantin und Projektpatin des Forschungsprojekts, Monika Piel. Sie verwies auf die zwei Hauptfragen, die bei der Untersuchung von digitalen Empörungswellen aufkamen: Erstens, ob sich die Auslöser für Shitstorms festlegen lassen und es somit möglich wäre, diese zu vermeiden; und zweitens, wie die klassischen Medien mit diesem Internetphänomen umgehen würden.

In der anschließenden thematischen Einführung befasste sich Prof. Bieber zunächst mit dem Begriff und der Bedeutung des ‚Shitstorms‘. „Dass dieses Phänomen in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, zeigt die Aufnahme des Begriffs in den Duden“, so Biebers einleitenden Worte. Den von Monika Piel gestellten Leitfragen folgend, ging er auf mögliche Auslöser von digitalen Empörungswellen ein und erklärte dies am Beispiel der Sexismus-Debatte rund um den Hashtag ‚Aufschrei‘: Hierbei sei der Sternartikel „Der Herrenwitz“ viel eher ein Katalysator gewesen als ein Auslöser. Er unterstrich zudem, dass die Empörungswellen erst dann an wirklicher Bedeutung gewännen, wenn sie von den traditionellen Medien aufgegriffen werden.

Während Bieber in seinem Vortrag einen politischen Schwerpunkt gesetzt hatte, konzentrierte sich Constantin Härthe, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsprojekts und Stipendiat der Stiftung Mercator, bei der Vorstellung der Forschungsergebnisse auf den Einfluss, den Shitstorms auf die Wirtschaft nehmen. Unter Berücksichtigung von fünf Leitfragen hatte er Interviews mit den Personen geführt, die eine Führungsrolle in unterschiedlichen Unternehmen einnehmen. Die allgemeine Haltung zu ‚Shitstorms‘ sei dabei gleichzeitig verständnisvoll und distanziert. Die Onlinekritik werde zwar für legitim gehalten, die Hysterie, mit der sie zum Teil einhergehe, jedoch als nicht gerechtfertigt empfunden und kritisiert. Auf die Frage nach den Folgen von digitalen Empörungswellen antworteten die Unternehmer meist mit „weichen Faktoren“, wie etwa Schäden am Image oder der Unternehmensreputation. Langfristige Folgen – und somit auch der gesamte Einfluss der Online-Empörung – wurden allerdings in Teilen angezweifelt.

An der anschließenden Panel-Diskussion, die von den beiden Projektleitern moderiert wurde, waren mit Matthi Bolte, Mitglied des Landtags Nordrhein-Westfalen (Bündnis 90/Die Grünen), André Kauselmann, Pressesprecher Social Media, Investor Relations und Commercial Banking der ING-DiBa AG, Prof. Dr. Torsten Oltmanns, Partner und Global Marketing Director bei Roland Berger Strategy Consultants, und Johannes Marcus Schäfer, Marketingleiter der nexum AG, sowohl Vertreter aus der Politik als auch aus der Wirtschaft präsent. André Kauselmann erklärte, dass Soziale Medien seiner Meinung nach eine eher geringe Relevanz besitzen, da die Reichweite im Vergleich zu den traditionellen Medien nur gering sei. Johannes Marcus Schäfer hingegen sprach von einem völlig neuen Aktionsradius, der durch Soziale Medien erreicht werden könne: Mit den klassischen Medien erreiche man zwar eine breitere Masse, doch mit Social-Media-Plattformen wie Facebook könne man viel zielgruppenorientierter vorgehen. Die Möglichkeiten der Sozialen Medien nutzt Matthi Bolte zum Beispiel sehr umfangreich, um seine Arbeit transparenter zu machen und um die interessierte Öffentlichkeit zu informieren. Beim Thema der Folgen digitaler Empörungswellen machte Prof. Dr. Thorsten Oltmanns die klare Unterscheidung, ob ein Unternehmen oder ein Individuum im Fokus der Empörung steht: „Der eigentliche Shitstorm ist, wenn eine einzelne Person alles abkriegt. Für viele Unternehmen sind Empörungswellen oftmals tragbar, für einzelne Personen kann es existentielle Folgen haben.“

Das Schlusswort hatte Prof. Dr. Jürgen Kluge, Unternehmensberater, Director emeritus McKinsey & Company, Aufsichtsratsvorsitzender Schmitz Cargobull AG und Projektpate der Studie. Er beschrieb die Online-Kommunikation als eine Innovation, vergleichbar mit der Erfindung der Sprache, der Schrift oder des Buchdrucks: „Gigantische Innovationen sind weder gut noch schlecht – sie sind neutral, und in erster Linie ein Verstärkungsfaktor. In diesem Fall ein Verstärkungsfaktor der Geschwindigkeit.“.